Ausgangspunkt für die Gestaltung der Arbeiten zum Thema Kapitalismuskritik der Klassen 6B und 6C bildete nicht nur die Auseinandersetzung mit ausgewählten Werken der zeitgenössischen US-amerikanischen Künstlerinnen Barbara Kruger (*1945) und Jenny Holzer (*1950) sondern auch die Beschäftigung mit Grafiken des Renaissancekünstlers Pieter Bruegel (um 1525 – 1569), der die Rolle des Individuums in der Gesellschaft zum Kernpunkt seines Werkes machte. Neben der Auseinandersetzung mit Kunstwerken setzen sich die Schüler und Schüler*innen zudem mit gesellschaftskritischen Texten, welche die Auswirkungen des Kapitalismus auf unsere geistige und emotionale Gesundheit sowie auf soziale Gerechtigkeit und unsere Umwelt haben, auseinander.
Detailierte Zeichnungen Bruegels, die als Vorlage für die Kupferstiche Krieg der Sparbüchsen gegen die Geldsäcke oder Große Fische fressen die kleinen dienten, zeigen, dass bereits im 16. Jahrhundert eine Welt des skrupellosen Wuchertums, in der die wirtschaftlich oder politisch Mächtigen, Starken und Reichen die Schwachen ausbeuten und beherrschen in der Kunst thematisiert wurden.
Typisch für die Arbeitsweise von Barbara Kruger und Jenny Holzer ist es den institutionellen Rahmen zu verlassen und die ihren Kunstwerken innewohnenden subversiven Themen im öffentlichen Raum zu präsentieren. Barbara Kruger nutzt für Ihre Wort- Bild Fotomontagen Werbetafeln, öffentliche Gebäude oder appliziert auf Einkaufstaschen den Satz I shop therefore I am. Den am meisten zitierten Spruch von Jenny Holzer Protect me from what I want zeigte sie erstmals am Times Square in New York als Leuchtschrift auf einer elektronischen LED-Tafel. Die Künstlerinnen bringen die Abhängigkeit und die Beeinflussung des Menschen durch massenmediale Botschaften und Verkaufsstrategien zum Ausdruck und verweisen sowohl auf die Ausbeutung existentieller menschlicher Bedürfnisse in der Werbung als auch auf stereotype Repräsentationssysteme. Große Aktualität beweisen diese Themen hinsichtlich der sich verschärfenden Klimakrise. Treibhausgase nehmen ungebremst und dramatisch zu. Rücksichtsloses Profitdenken und Turbokapitalismus lassen sich jedoch nicht mit Klimaschutz vereinbaren.
Mit den Möglichkeiten der Zeichnung akzentuierten die Schülerinnen und Schüler Themen wie Leistungsdruck, psychische Gesundheit, Isolation, Profitdenken, Materialismus, soziale Ungerechtigkeit, Manipulation durch Werbung, Ausbeutung sowie Diskriminierungsmechanismen. Ihre Werke sollen aufrütteln, erschüttern, Widersprüche aufzeigen, zum Nachdenken anregen sowie ein Plädoyer für soziale Verantwortung darstellen.
Mag.a art. Constanze Greilhuber
Quellen:
Hammer-Tugendhat, Daniela: Innovative Künstlerische Verfahren als Mittel der Zeitkritik. Wien 2017
Strobl, Natascha: Solidarität, Verlag Kremayr und Scheriau, Wien 2023
Kromp- Kolb, Helga: Für Pessimismus ist es zu spät. Wir sind Teil der Lösung. Verlag Molden, Wien 2023
Münkler, Herfried: Die Zukunft der Demokratie. Verlag Brandstätter, Wien 2024
Herrmann, Ulrike: Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2022

Pieter Bruegel, Krieg der Sparbüchsen gegen die Geldsäcke,1563

Pieter Bruegel, Die großen Fische fressen die kleinen, 1557

Jenny Holzer, Protect me from what I want, 1982

Barbara Kruger, I shop therefore I am,1989





















