Nachdem sich die 7. Klassen im GW-Unterricht mit Volksgruppen in Österreich und im besonderen mit Romnja und Sintizze beschäftigt hatten, wurde das Thema mit einem Zeitzeugengespräch abgeschlossen. Stefan Horvath wurde 1949 in einer Roma-Siedlung in Oberwart geboren und erlebte die Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung schon als Kind und Jugendlicher. Im Gespräch erzählte er über die Geschichte der Romnja in Österreich, den Völkermord durch die Nationalsozialisten (Porajmos) und vor allem über die Erfahrungen beim Attentat in Oberwart 1995, bei dem er seinen Sohn verlor.
Sein Vortrag war sehr bewegend und spannend. Neben der Beantwortung von Fragen der Schülerinnen fand er außerdem Zeit, zwei seiner Gedichte vorzutragen (siehe Beispiel im Anhang). Die Schüler*innen waren sehr beeindruckt von seiner Lebensgeschichte, seiner Energie und seinem Umgang mit den Schicksalsschlägen. Vielen Dank an Herrn Horvath, dass er sich die Zeit für uns genommen hat.
Ein Beitrag von MEd. Eva Krobath und Mag. Samuel Wintersteiner

Ich möchte ein Engel sein
Ich war ein Vater in jungen Jahren,
im Umgang mit Kindern unerfahren.
Da kam eines Tages mein Söhnchen gerannt
Mit einem Bild von einem Engel in der Hand
Und fragte:
„Vater, mein Vater mein,
sag mir, wie wird man ein Engelein?
Und können die Engel im Himmel spielen
Und im Schlafen auf dem Rücken liegen?
Und fliegen die Engel im Himmel umher,
und fällt ihnen das Lernen in der Schule auch so schwer?
Warum sitzen die Engel bei Gott zu seiner Linken und Rechten,
gibt es nur Gute oder vielleicht auch Schlechte,
und ist ihnen im Winter auch so kalt,
und werden die Engel tausend Jahre alt?
Was muss ich tun, um ein Engel zu sein,
muss ich beten oder kann ich auch vorlaut sein,
denn ich möchte so gerne ein Englein sein.“
Auf all diese Fragen musste ich lachen
Und sagte: „Mein Sohn,
was fragst du mich solche Sachen.
Die Engel, die sind im Himmel daheim,
auf ihren Köpfen ist ein Glorienschein
und außerdem, für einen Engel bist du noch viel zu klein.“
Jahre vergingen und viele Stürme zogen vorbei,
doch einer machte Halt,
da war Gevatter Tod dabei.
Er holte das Kind mit seinen großen Schwingen,
seitdem höre ich immer leise die Englein singen.
Seitdem bin ich rastlos und stets bereit für den Tag,
an dem der Tod zu mir sagt: „Es ist höchste Zeit.!“
Ich werd mich nicht wehren,
weil ich ganz genau weiß:
Es ist ein Wiedersehen,
nur in einer anderen Zeit.
Ich werde dann treten vor den Himmelsthron,
und aus der Schar der Engel löst sich mein Sohn
und wird sagen zu mir:
„Vater, mein Vater mein, von nun an wirst auch du ein Engel sein.“
Quelle: https://www.gibs.at/ich-

